Stadt Obernburg Stadt Obernburg

Aktueller Bürgermeisterbrief

​Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Der Monat „Januar“ heißt ja deswegen so, weil er nach dem römischen Gott „Janus“ benannt ist. In der römischen Mythologie war Janus der Gott mit den zwei Gesichtern. Ein Gesicht hatte er - so wie wir alle - vorne am Kopf, und sein zweites Gesicht hatte er hinten auf der Rückseite des Kopfes. Damit konnte er gleichzeitig nach vorne (in die Zukunft) und nach hinten (in die Vergangenheit) schauen.

Der Monat Januar gibt uns also die Gelegenheit, zurück ins vergangene Jahr und nach vorne ins kommende Jahr zu blicken.

Beim Rückblick auf ein vergangenes Jahr ist man immer versucht zu sagen: „Alles war prima - in der Welt, in Deutschland und auch bei uns in Obernburg.“ Aber so war es ja nicht.

Wir leben in einer Zeit von weltweiten internationalen Krisen und Kriegen. Hungerkatastrophen verursachen großes menschliches Leid, so wie aktuell im Jemen, und auch der Bürgerkrieg in Syrien ist noch nicht vorbei.

In den Vereinigten Staaten von Amerika hat ein unberechenbarer Präsident sein Amt angetreten. In Nord-Korea sitzt ein Mann auf dem Regierungssessel, der sich wie ein Kind freut, wenn eine Rakete aufsteigt. Und wenn sich die beiden darum streiten, wer von ihnen den größeren Startknopf für seine Raketen hat, dann kommt mir das sehr  erbärmlich vor.

Ist jetzt: alles schlecht? Bestimmt nicht. Im Hinblick auf Deutschland könnte der Rückblick auf 2017 auch ganz anders aussehen. Noch nie waren so viele Menschen  sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Noch nie seit der Wiedervereinigung hatten wir eine niedrigere Arbeitslosenquote. Die Wirtschaft „brummt“, und der Leitindex der deutschen Börse, der „DAX“, eilte in 2017 von Rekord zu Rekord. Der Kabarettist Florian Schröder sagte vor Kurzem: „Da brauch´ ich keine Regierung!“

Ist jetzt: alles gut? Ganz bestimmt auch nicht. Viele Menschen haben Ängste und Zweifel, was die Zukunft bringen wird. Das Tempo der Veränderungen wird immer schneller. Es gibt viel Kriminalität, Gewalt und auch Terror in unserem Land. Der Umgangston wird rauer, speziell in den sozialen Medien. Ängste und Zweifel werden bewusst geschürt, und gerade Letzteres hat meiner Meinung nach mit dazu beigetragen, dass die Bundestagswahlen im September so ausgefallen sind, wie sie ausgefallen sind.

Und bei uns in Obernburg? Auch bei uns gibt es nicht nur „Weiß“ und nicht nur „Schwarz“. Vieles wurde begonnen, Vieles läuft schon gut, aber Vieles ist noch zu tun. In meinen Begegnungen mit den Menschen erfahre ich oft Zustimmung und Bestärkung für die Wege, die wir gehen, aber auch Unsicherheit und Verängstigung. Ganz häufig geht es um die Frage, ob die vielen und vor allem, ob die vielen schnellen Veränderungen nicht dazu führen, dass wir unsere Identität verlieren?

Das müssen wir aufgreifen und daran arbeiten. Die Frage ist, was wir dabei tun können. An dieser Stelle gäbe es viel zu sagen, zum Beispiel dass wir uns ganz klar  zu unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen müssen. Mit einem solchen Bekenntnis wäre aber nur das Rationale, die Verstandesebene angesprochen. Um nachhaltig zu wirken, müssen wir tiefer gehen. Es muss um die Gefühlsebene gehen, es muss um die emotionale Bindung gehen.

Im vergangenen Sommer gab es beim Diözesanverband der Caritas in Würzburg eine Ausstellung mit dem Titel „Zusammen sind wir HEIMAT“. Zu der Ausstellung gibt es einen gleichnamigen Bildband. Sowohl in der Ausstellung als auch in dem Bildband sind wir als Stadt Obernburg mit einem Beitrag vertreten.

Damit bin ich bei dem Begriff HEIMAT. Ich denke, wir müssen allen Menschen, die bei uns wohnen und leben und arbeiten, HEIMAT geben. HEIMAT kann man nicht mit Worten definieren. HEIMAT muss man leben und erleben. HEIMAT ist bewusstes Zusammenleben, ist Zuneigung, ist Sympathie und Empathie. HEIMAT ist gegenseitige Rücksichtnahme und Achtung und vor allem Mitmenschlichkeit. All das lässt einen Ort zur HEIMAT werden, all das gibt Halt und Stabilität in Zeiten von Unsicherheit und Verängstigung.

In diesem Sinne haben wir im vergangenen Jahr in vielen Veranstaltungen und vor allem durch ein hohes Maß an ehrenamtlichem Engagement HEIMAT gelebt:

Zum Beispiel in der Faschingsgesellschaft Nemaninga, die mit einem eigenen Faschingswagen und mit Bewohnern der benachbarten Gemeinschaftsunterkunft am Kreiscarnevalszug in Mömlingen teilgenommen hat. Oder in den Helferkreisen Asyl, wo jetzt schon über 1 ½ Jahre eine hervorragende ehrenamtliche Integrationsarbeit geleistet wird.

Oder beim „Römersommer XVII“, mit dem es auf eine sehr sympathische und ansprechende Art gelungen ist, Menschen für unsere HEIMATstadt zu interessieren und für unsere römische Geschichte zu begeistern. Besonders erfreulich war, dass viele Geschäfte in der Römerstraße mit entsprechenden Schaufensterdekorationen und viele Gasthäuser mit passenden Speisen das Motto des letzten Sommers  übernommen haben.

Viele Menschen engagieren sich tagtäglich im Ehrenamt für unser Gemeinwesen. Auch hier erleben wir HEIMAT in einer bunten Vielfalt, heute Abend zum Beispiel mit der musikalischen Umrahmung durch die Musikschule Obernburg und durch den Gesangverein Obernburg. Oder wenn ich gleich im Anschluss verdienten Frauen und Männern die goldenen Ehrenplaketten überreiche, oder wenn im weiteren Verlauf Frau Petra Ulbrich vom AK Kul-Tour zu uns sprechen wird.

All das trägt dazu bei, dass wir zusammen HEIMAT sind und dass wir in einem attraktiven und lebenswerten Obernburg leben können.

Im Vergleich und im Maßstab zur großen Welt geht es uns gut - in Obernburg und in Eisenbach. Im Maßstab unserer eigenen Welt gibt es auch in 2018 wieder eine ganze Menge zu tun. Wir müssen investieren, vor allem in die Sanierung unseres Trinkwassernetzes. Wir bauen einen neuen Parkplatz an den alten Tennisplätzen. Wir brauchen mehr Kindergartenplätze, weil wieder mehr Kinder auf die Welt kommen. Wir wollen den alten Kindergarten zu einer Begegnungsstätte für soziale Integration umbauen. Wir müssen unsere Infrastruktur den Entwicklungen anpassen, weil das Leben weiter geht.

Und wir werden wieder Feste feiern und Jubiläen begehen:

135 Jahre Gesangverein Obernburg, 30 Jahre Musikschule Obernburg, 30 Jahre Kleinkunstbühne Obernburg, 200 Jahre Obernburger Stadtwappen, 150 Jahre neues Rathaus Obernburg und viele mehr.

Für 2018 gilt es also nach vorne zu schauen, wie immer. Dazu  wünsche ich Ihnen nichts Materielles, sondern Glück und Optimismus und Gesundheit. Alles andere  kommt von selbst, wenn wir zusammen unsere Stadt gestalten, denn „Zusammen sind wir HEIMAT“.


Ihr Bürgermeister
Dietmar Fieger


Büro des Bürgermeisters

Römerstraße 62-64
63785 Obernburg

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